Weihnachtsgruß

Werte Kameraden und Freunde,
wieder gehen wir einem Weihnachten unter Corona entgegen.
Eine Zeit, in der wir aufs Jahr zurückschauen. Für mich ist das
der letzte Weihnachtsbrief, den Sie von mir erhalten, da ich
vorhabe nicht mehr als Vorsitzender der RK Siegburg
anzutreten und auch mit dem Gedanken spiele den Verband
zu verlassen. Dieser Umstand macht es mir besonders
schwer die richtigen Worte zu finden. Ich möchte auch keinen
persönlichen Rückblick aus diesem Weihnachtsbrief machen.
Das letzte Jahr war voller Herausforderungen, nicht nur die
Coronasituation hat uns alle beschäftigt, wir haben über eine
neue Regierung abgestimmt und mussten mit Katastrophen
direkt vor der Haustür umgehen lernen.
Gerade bei den Katastrophen an Erft und Ahr haben sich
menschliche Höhen und menschliche Tiefen gezeigt, das ist
glaube ich ganz normal. Was ich aber auch gezeigt hat ist,
dass wir uns zu sehr darauf verlassen haben, dass es immer
gut gegangen ist. Insbesondere bei den Verantwortlichen,
welche vor, während und nach den Katastrophen handeln
hätten müssen. Oft habe ich das Gefühl, dass wir in einer
Gesellschaft leben, in der nicht mehr Menschen entscheiden,
sondern Papiere.
Menschen sich hinter Papieren verstecken, um keine
Verantwortung übernehmen zu müssen. Es war unglaublich
bewegend, wie Menschen anderen Menschen in den
Katastrophengebieten geholfen haben.
Aus eigener Erfahrung taten diese das ohne Unterstützung,
ohne Absicherung und ohne Hintergedanken, aber mit dem
festen Willen Menschen die Hilfe brauchen nicht allein zu
lassen. Wir haben ganze Existenzen aus überschwemmten und
verschlampten Kellern geborgen und auf riesigen Müllhalden
entsorgt. Es war bewegend und hat mich zutiefst traurig
gemacht, Fotoalben und Familienstücke so durch meine
Hände gehen zu lassen, mit dem Ziel Müllberg.
Deutlich wurde, dass es Menschen gibt, die sich engagieren,
die Hilfe leisten, die für andere Menschen, die sie überhaupt
nicht kennen, da sind und es hat sich gezeigt, dass es
Menschen gibt, die Menschen nur als bürokratischen Akt
sehen. Sich hinter Vorschriften verstecken und keinen Mut zur
Initiative zeigen. Doch überall dem sollten wir nicht vergessen,
dass es immer noch Menschen gibt, welche nicht einmal das
Minimum für eine gesegnete Weihnacht haben. Darum
gehören diesen Menschen meine Gedanken, meine Solidarität
und meine Hoffnung, dass nach einer schweren Zeit wieder ein
normales Leben zurückkommt. Für mich kam, an den Tagen in
diesen Gebieten, die Erkenntnis, dass nichts selbstverständlich
ist, weder Haus noch Heizung.
Ich möchte mich bei all den Kameraden bedanken, die Hilfe
geleistet haben, dort in diesen Gebieten, welche räumlich so
nah sind, aber von vielem anderem, dass wir für
selbstverständlich halten, nun so weit weg sind.
Aber nicht nur die Helfer an der Ahr und Erft haben Großes
geleistet dieses Jahr, Krankenschwestern und Ärzte sind über
sich hinausgewachsen, aber auch all die welche sich nicht in
ein sicheres Homeoffice zurückziehen konnten und an ihrem
Platz die Stellung gehalten haben, sind eine Stütze für unsere
Gesellschaft.
Dennoch gibt es unter uns noch zu oft die Menschen, die das
„ich“ in den Vordergrund stellen.
Sicher gab es diese auch in den Katastrophengebieten, ich
denke aber, dass bei so manchen dieser Menschen ein
Umdenken stattgefunden hat, denn nur als „ich Mensch“ wäre
in diesen Regionen kein Weiterkommen möglich gewesen.
Darum lassen Sie uns alle unser „ich“ überprüfen und schauen,
ob wir daraus nicht in weiten Fällen ein „wir“ machen können.
Haben wir Mut zu Entscheidungen und Verantwortung zu
übernehmen, halten wir den Ich-Menschen einen Spiegel vor
und fragen Sie, wie weit sie allein mit dem Menschen im
Spiegel kommen.
Ich wünsche Ihnen eine ruhige sichere, zufriedene
Weihnachtszeit und ein glückliches Neues Jahr.
Ihr
Olaf Kortenhof

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